Unverhüllt. 70 Jahre Leben

Heute ist ein großartiger Tag.
Am 10. Januar 1956 um 9 Uhr
bin ich als drittes Kind meiner Eltern,
Karl und Maria Berg –
aka Opa Karl und Oma Mitzi –
im St. Vincentius in Speyer
auf die Welt gekommen.
Heute feiere ich 70 Jahre Leben.
Sieben Dekaden, die mich geformt haben.
Drei davon in Deutschland,
vier in den USA.
Ich schaue mit Staunen, Dankbarkeit
und einem tiefen Gefühl von Glück
auf dieses Leben zurück.
Ich bin dankbar für die Wege,
für die Menschen,
für das Gehalten-Sein
und für den Mut, weiterzugehen.
Mein Leben war herausfordernd.
Weit über die Grenzen dessen hinaus,
was ich mir je hätte vorstellen können.
Manche Erfahrungen prägen ein Leben
bis in jede Faser –
wie der Beginn von Sarinas Leben
mit 881 Gramm.
Und vielleicht ist genau das der Grund,
warum diese siebzig Jahre
nicht nur mich geprägt haben,
sondern auch mein Buch.
Das Buch – und der Mut, sichtbar zu werden
Vor 18 Monaten wurde der Ruf,
mein Leben gemeinsam mit Sarina aufzuschreiben,
immer lauter.
Und ich habe begonnen.
Ein autobiografisches Buch
entsteht nicht aus Distanz.
Es entsteht aus Nähe.
Und aus Mut.
Aus dem Mut, tiefer zu schauen.
Tiefer zu fühlen.
Und das, was war,
noch einmal zu durchleben.
Das Schreiben hat mich
aus Komfortzonen herausgeholt,
von denen ich nicht wusste,
wie sehr sie mich gehalten
– und zugleich klein gehalten – haben.
Ich bin tiefer gegangen,
als ich dachte.
Bislang hatte ich meine Geschichte
nur auf Englisch geschrieben.
Jetzt, auf Deutsch,
hat sie Emotionen freigelegt,
die ich nicht einfach aufschreiben konnte –
sondern fühlen musste.
Nicht, weil ich dramatisieren wollte.
Sondern weil mein Leben
herausfordernd war.
Unverhüllt
Genau deshalb habe ich für diese neue Dekade
nach einem Wort gesucht habe.
Nicht nach einem Ziel.
Nicht nach einem Plan.
Sondern nach einem Wort,
das mich begleitet.
Ein Wort, das still ist
– und doch bewegt.
Unverhüllt.
Unverhüllt heißt für mich nicht,
alles zu zeigen.
Es heißt,
nichts Wesentliches mehr wegzulassen.
Nicht meine Freude.
Nicht meine Zweifel.
Nicht meine Klarheit.
Nicht meine Tiefe.
Und auch nicht meine Grenzen.
Unverhüllt heißt für mich,
sie zu ehren.
Nicht alles zu teilen.
Nicht allen Zugang zu geben.
Sondern bewusst zu wählen,
wer Teil meines inneren Kreises ist.
Unverhüllt ist kein lauter Mut.
Kein Trotz.
Kein Sich-Überwinden.
Es ist der Mut,
bei mir zu bleiben,
auch wenn es sichtbar wird.
Ein offenes Weitergehen
Dieses Buch gehört zu dieser neuen Dekade.
Nicht als Abschluss.
Sondern als Öffnung.
Es will gelesen werden.
Es will bewegen.
Es will inspirieren.
Und dafür reicht es nicht,
es geschrieben zu haben.
Dafür darf ich sichtbar werden.
Raus aus den Teilen von mir,
die mich noch klein halten.
So gehe ich weiter.
Mit meinem Buch.
Mit meiner Geschichte.
Mit dem, was durch mich in die Welt will.
Mutig.
Unverhüllt.
— 2026
Unverletzbar glücklich,
deine Manuela

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