Februar. Anfang und Antwort.

Für mich ist der Februar ein besonderer Monat.
In meinem Leben mit Sarina ist er Anfang und Antwort zugleich.
Zwei Daten.
Sechs Tage Abstand.
Ein ganzes Leben dazwischen.
6. Februar 1991 – Cincinnati, Ohio
184 Tage auf der Intensivstation für Frühchen.
Fünf Monate Inkubator und Beatmung.
Dann kommt der Tag, an dem wir nach Hause dürfen.
Nicht „nach Hause“ wie andere Babys.
Sondern mit Sauerstoff.
Mit 24-Stunden-Pflege.
Mit einer Überlebensgeschichte, noch bevor das Leben richtig beginnen konnte.
Ich halte sie im Arm.Überwältigt vor Liebe.Und gleichzeitig mit einer Realität konfrontiert, die alles verändert.
So beginnt unser gemeinsames Leben.
Nicht leicht.
Nicht planbar.
Nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Ich habe mir diesen Weg nicht ausgesucht.
Aber ich habe irgendwann aufgehört, ihn zu bekämpfen.
Das war der Anfang.

14. Februar – viele Jahre später
Valentinstag.
Sarina hat die ersten 30 Jahre ihres Lebens in den USA gelebt
und liebt diesen Tag bis heute.
Sie wünscht sich einen Partner.
Einen Valentin.
Einen „Romeo“, wie sie sagt.
Sie lebt im Autismus-Spektrum. Eine Hürde ist die neurologisch bedingte soziale Interaktion.
An diesem Abend komme ich nach Hause und finde einen gedeckten Tisch.
Eine Rose.
Ein Glas.
Einen herzförmigen Spiegel.
Sie sitzt da,
isst –
und schaut sich selbst an.
„So muss ich Valentinstag nicht alleine feiern“, sagt sie ruhig.
Natürlich kennt sie Traurigkeit.
Natürlich gibt es Momente, in denen sie sich einen Menschen an ihrer Seite wünscht.
Aber sie versinkt nicht.
Sie bleibt nicht im Selbstmitleid.
Sie findet ihren Weg.
Sie lächelt sich im Spiegel an.
Das ist Würde.
Selbstfürsorge.
Und eine leise, erwachsene Form von Liebe.
Wenn ich an den Februar denke
Der 6. Februar erzählt vom Kämpfen.
Der 14. Februar vom Lieben.
Wenn ich heute auf diese beiden Daten schaue, sehe ich Entwicklung.
Ich sehe Reife.
Februar erinnert mich jedes Jahr daran:
Liebe wächst nicht nur zwischen zwei Menschen.
Manchmal wächst sie dort, wo man sich selbst nicht verliert.
Und ich staune, wie klar Sarina ihren eigenen Weg findet.
Schicksal ist nicht das Ende.
Es ist der Anfang eines anderen Lebens.
Happy Valentine’s Day 🩷
Deine Manuela
PS: Diese Geschichte ist Teil meines Buches „Schicksal für immer?“ –
eine biografische Reise über Annahme, Stärke und Liebe unter besonderen Bedingungen.
Hier findest du mehr Informationen: www.manuelarohr.com/buch

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